Fliegerdenkmal

Am 19.12.1929 um 8:30 Uhr starteten Joachim von Schröder (Flugleiter), Erich Albrecht (Flugkapitän) und Fritz Eichentopf (Oberflugmaschinist) zur letzten 985 km lange Etappe ihres Rückflugs auf der neu erkundeten Postflugroute, in Marseille. Ihr Flugzeug, die 1928 auf der ILA erstmals ausgestellte ARADO V1 aus Warnemünde, war mit Post beladen und sollte gegen 17:30 Uhr in Berlin Tempelhof landen.

Beim Start in Marseille schien die Sonne und auf dem ganzen Weg herrschte gutes Wetter. Von Bitterfeld änderte sich das. Über Norddeutschland lag eine geschlossene Hochnebeldecke.

Zu den Anfangszeiten der Luftfahrt gab es nur wenige Hilfsmittel sich zu orientieren. In der Regel flog man nur so hoch, dass Bodensicht und eine gute Orientierung gegeben waren. Zur Kursbestimmung dienten Flieger-Landkarten, in denen die Flugroute eingezeichnet war. Die Besatzung flog nach Kompass, berechnete die Flugdauer bis zum Ziel oder einem markanten Punkt.

In Tempelhof waren Flugplatzbeleuchtung und Scheinwerfer eingeschaltet, in kürzeren Abständen wurden rote Leuchtkugeln abgeschossen um den Fliegern den Weg zu weisen.

Gegen 17 Uhr wurde der Besatzung klar, dass sie den Flughafen verfehlt hatten. Bei ziemlicher Orientierungslosigkeit und beginnender Dunkelheit, erkannten sie irgendwo einen Bahnhof mit einem abfahrenden Zug. Vorsichtig gingen sie tiefer und konnten den Ortsnamen „Neuruppin“ mit dem Fernglas erkennen. Flugleiter Schröder gab sofort den Befehl zum Wenden. Sie wollten entlang der Bahnlinie in Richtung Berlin fliegen. Die drei Männer flogen suchend in einer Höhe von 20 bis 30 Metern mit einer Geschwindigkeit von ca. 170 km/h. Bei einer scharfen Rechtskurve hatte das Flugzeug mit der rechten Tragfläche Bodenberührung und stürzte unweit dieses Fliegerdenkmals auf dem Acker ab. Wegen der hohen Geschwindigkeit wurde die ARADO V1 völlig auseinandergerissen. Bordwart Eichentopf wurde aus dem Flugzeug geschleudert und nur leicht verletzt. Die beiden anderen Männer erlagen ihren schweren Verletzungen, obwohl sie Eichentopf und einem vorbeikommenden Radfahrer noch aus dem Flugzeugwrack befreit werden konnten. Als das Flugzeug in Flammen aufging, waren auch das Gepäck und die Postladung geborgen.

In Wustrau rief Eichentopf per Telefon einen Arzt aus Fehrbellin, der jedoch für die Verunglückten leider nichts mehr tun konnte.

Die Dorfbewohner brachten die beiden Toten in den Saal des „Hauses Constance“. Noch am selben Abend kamen die Vertreter der Lufthansa aus Berlin, um sich vor Ort und Stelle ein Bild von dem tragischen Unglück zu machen. Ein Versagen der Technik wurde ausgeschlossen und der nur leicht verletzte Bordwart konnte den Hergang des Ereignisses sehr genau schildern.

 

Frank Boehme hat mit viel Fleiß und aufwändigen Recherchen all dies zusammengetragen, Ihm gilt an dieser Stelle ein großer Dank! Aber wann in Wustrau der Gedenkstein aufgestellt wurde, ist bisher noch nicht herausgefunden worden.

Frank Boehme (Pritzwalk) verfasste eine Broschüre mit dem Titel:

„Der Fliegerstein bei Wustrau“

Alle Angaben und Fakten entsprangen dieser sehr gut recherchierten historischen Dokumentation. Im Anschluss seien an dieser Stelle weitere Details und Hintergründe zum Flugzeug und Ablauf erwähnt.

Bei dem verunglückten Flugzeug handelt es sich um ein leichtes Postspezialflugzeug der Warnemünder Aradowerke. Die ARADO V1 (V=Verkehrsflugzeug) wurde 1927-28 entwickelt und auf der ILA in Berlin (Oktober) ausgestellt und der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Lufthansa kaufte den Prototypen, seitdem flog das Flugzeug unter der Kennung D-1594.

Anzahl/Werksnummer:          1/47

Erstflug:                                  Feb. 1928

Spannweite:                            18m

Länge:                                     12m

Flügelfläche:                           47,2 qm

Triebwerke:                            1x Pratt & Whitney, Hornet A mit 500 PS

Gewicht:                                 1350kg (leer), 3550kg (max)

Nutzlast:                                  1000kg

Geschwindigkeit:                    220 km/h (max), 185 km/h (Reisegeschwindigkeit)

Reichweite:                            2000km

Flughöhe:                                6500m (max)

Verbrauch:                             90 l Benzin/h

Besatzung:                              2-3 (wahlweise bis 4 Passagiere)


 

Der erste Postexpressflug Berlin – Teneriffa – (Berlin) Wustrau:

 

16.11.1929                  Start des Langstreckenfluges (4000 km) in Berlin Tempelhof

- Zwischenlandung in Marseille

- Überflug der Pyrenäen (3000m) Landung in Valencia

- Weiterflug nach Sevilla

05.12.1929                  Weiterflug nach Teneriffa

13.12.1929                  Taufe und Segnung des Flugzeuges auf den Namen „Tenerife“

                                    - Rundflüge nach Gran Canaria

14.12.1929                  Kurzflug nach Kap Juby (Marokko)

16.12.2029                  Start des Rückfluges, Sevilla (8h)

18.12.1929                  Sevilla – Marseille

                                    - Notlandung in Valencia

                                    - Reparatur des Motorschadens

                                    - Verspätete Ankunft in Marseille

19.12.1929                  8:30 Uhr Start nach Berlin (17:30 Uhr geplante Ankunft)

                                    - ab Bitterfeld schlechtes Wetter, Kursabweichung

                                    - gegen 17:00 Uhr Kursabweichung bemerkt

                                    - über Neuruppin gewendet

                                    - gegen 18:30 Uhr bei Rechtskurve, Bodenkontakt und Absturz

Heimat- und Kulturverein
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Hohes Ende 20
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